05 Dez. Menschen wie du und ich
D a n k e für den äusserst informativen Vortrag.
Heute folgten mein Schwiegervater, mein Schwager und ich einer Einladung zum öffentlichen Vortrag zum Thema „Demenz – über Herausforderungen im Alltag“. Diese Veranstaltung wurde organisiert vom Alterszentrum am Hungeligraben in Niederlenz und war Teil einer Vortragsreihe anlässlich ihres 40-jährigen Jubiläums.
Da mein Schwiegermami von dieser heimtückischen Krankheit betroffen ist und im vorgenannten Alterszentrum lebt, lag es natürlich nahe, diesem äusserst spannenden Vortrag von Marianne Candreia beizuwohnen. Wie uns die Geschäftsleiterin von Alzheimer Aargau verriet, leben aktuell etwa 156’900 Menschen mit Demenz in der Schweiz. Jährlich kommt es zu 33’800 Neuerkrankungen, das heisst alle 16 Minuten erkrankt jemand neu an Alzheimer oder einer anderen Demenz. 66 Prozent der Menschen mit Demenz sind Frauen. Über 8000 Menschen, rund 5 Prozent aller Menschen mit Demenz, erkranken vor dem 65. Lebensjahr. Im Jahr 2050 sind voraussichtlich 315’400 Menschen an Demenz erkrankt, denn der grösste Risikofaktor ist das Alter.
Was ist Demenz? Demenz ist ein Überbegriff für eine Reihe von Erkrankungen, die mit einem fortschreitenden Verlust geistiger Fähigkeiten einhergehen und das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen können. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit, gefolgt von vaskulärer Demenz, Lewy-Körper-Demenz und fronto-temporaler Demenz. Die Hauptmerkmale sind Probleme, sich an neue Informationen zu erinnern oder auf ältere zuzugreifen. Weitere Hauptmerkmale sind:
Schwierigkeiten bei der Sprache, Orientierung, Aufmerksamkeit und der Problemlösung; Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Teilnahmslosigkeit; Schwierigkeiten bei Aktivitäten wie Essen, Hygiene oder Verwaltung von Finanzen.
Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Jesaja 46,4
Wir als Familie sind so froh und dankbar, dass mein Schwiegermami mit ihrer weit fortgeschrittenen Demenzerkrankung die beste Pflege und Betreuung im Alterszentrum geniesst. Obwohl sie uns nicht mehr erkennt, hat sie ihre fröhliche Wesensart nicht verloren. Sie singt sehr, sehr gern und viel und taucht dabei ein in ihre eigene Welt. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeiten, wo wir zwei noch Spaziergänge zur nahegelegenen Kirche unternahmen. Wir setzten uns jeweils in die vorderste Kirchenbank und ich stimmte das Lied „Grosser Gott, wir loben dich“ an. Sie erinnerte sich an JEDES Wort und zusammen sangen wir aus voller Kehle. Dabei tanzten die folgenden Worte durch die Kirche:
Großer Gott wir loben dich Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.
Alles, was dich preisen kann,
Kerubim und Serafinen stimmen dir ein Loblied an.
Alle Engel, die dir dienen, rufen dir stets ohne Ruh
«Heilig, heilig, heilig» zu.
Heilig, Herr Gott Zabaot.
Heilig, Herr der Himmelsheere.
Starker Helfer in der Not. Himmel, Erde,Luft und Meere
sind erfüllt von deinem Ruhm alles ist dein Eigentum.
Frau Candreia betonte immer wieder, wie wichtig es ist, diesen Menschen mit Respekt und Würde und vor allem auf Augenhöhe zu begegnen. Man sollte stets den Blickkontakt halten und mit freundlicher Stimme und heiterem Ausdruck agieren. Bekanntlich spüren diese Menschen mehr, als wir uns je vorstellen können. Wir sollten diese Menschen so viel wie möglich loben, wenn ihnen etwas Gutes gelingt. Am besten einfache, positive Wörter brauchen und kurze, verständliche Sätze bilden. Wörter wie nein, nichts, niemand, keine/r, nie, nirgends sollten vermieden werden.
Manchmal behaupten Demenzkranke die unmöglichsten Dinge. Man sollte jeden Einzelnen von ihnen ernst nehmen und versuchen, die Situation mit seinen Augen zu sehen. Es hilft, wenn man ihnen versichert, dass man an sie glaubt. Versuche, ihn abzulenken und aus solchen Situationen herauszuführen.
Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlasse mich nicht, wenn meine Kraft schwindet. Psalm 71,9
Menschen mit demenzieller Erkrankung «brauchen» Aufgaben/Interaktionen, die anregen, Sinn machen. Durch diese Verhaltensweisen können dann auch Langeweile, Frust und Aggression vermieden werden.
Zum Abschluss dieses Berichtes möchte ich gerne noch die letzte Strophe des Liedes «Grosser Gott, wir loben dich» zitieren:
Herr, erbarm, erbarme dich.
Lass uns deine Güte schauen.
Deine Treue zeige sich, wie wir fest auf dich vertrauen.
Auf dich hoffen wir allein. Lass uns nicht verloren sein.
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