06 Jan. Die drei Könige – und ein ziemlich alter Irrtum
D a n k e für die Weisen aus dem Morgenland!
Fast jeder kennt sie: Caspar, Melchior und Balthasar. Mit Kronen, Kamelen und kostbaren Gaben gehören sie fest zur Weihnachts- und Dreikönigstradition.
Nur: In der Bibel kommen sie so überhaupt nicht vor!
Im Matthäusevangelium ist lediglich von „Weisen aus dem Morgenland“ die Rede – im griechischen Original magoi. Das waren Sterndeuter oder Gelehrte, vermutlich aus dem Gebiet des heutigen Persien oder Babylon.
Die Bibel nennt KEINE Zahl, KEINE Namen und KEINEN königlichen Titel!
Alles, was erwähnt wird, sind drei Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Aus diesen drei Gaben entstand später die Annahme der drei Personen. Mehr steht dort nicht.
Woher kommen die Namen?
Caspar, Melchior und Balthasar, die berühmten Namen tauchen erst rund 500–600 Jahre nach Christi Geburt in christlichen Schriften auf. In spätantiken und frühmittelalterlichen Texten begannen christliche Autoren, den anonymen Weisen feste Namen zu geben. Damit wurden aus unbestimmten Sterndeutern konkrete Figuren, die man darstellen, verehren und erzählen konnte – historisch aber nicht aus der Bibel überliefert.
Epiphanias – der wahre Hintergrund
Der 6. Januar heisst eigentlich Epiphanias – das „Fest der Erscheinung des Herrn“. Es geht nicht um drei Könige, sondern darum, dass Gott sich allen Menschen zeigt – nicht nur Israel, sondern auch den Fremden, den Suchenden. Dass man daraus später eine Geschichte mit drei gekrönten Gestalten gemacht hat, sagt mehr über menschliche Vorstellungskraft als über das, was im Evangelium steht.
Der Brauch des Dreikönigskuchens
Bei dieser Gelegenheit möchte ich es nicht unterlassen, noch etwas zum Brauch des Dreikönigskuchens zu schreiben. Wir haben ihn heute in vierfacher Ausführung mit meinen 20 Dog Stubete Frauen genossen. Es passte perfekt zur Legende vom vierten König. Diese Geschichte packte ich in eine Papierrolle und schenkte es den Frauen.
Die Freude war gross als ich den auserwählten Königinnen Margrit, Margrith, Helene und Gina die Krone aufsetzte.
Hast du gewusst, dass der heutige Dreikönigskuchen bereits 1561 das erste Mal erwähnt wurde? In Texten von 1572 und 1625 wird beschrieben, dass der Kuchen mit einer Bohne gebacken wurden, wobei der Finder der Bohne als „König“ galt. Der Brauch war sogar schon vor der Reformation verbreitet. In manchen Regionen ersetzte man später die Bohne durch eine Münze oder einen Kuchenpfennig, etwa in einem Düsseldorfer Kloster ab 1607. Die Wurzeln dieser Tradition liegen in mittelalterlichen Los- und Glücksbräuchen, die bereits im 14. Jahrhundert bekannt waren.
Der heute in der Schweiz verbreitete Dreikönigskuchen in seiner typischen Form – ein süsser Hefeteig mit einer kleinen Figur – ist dagegen vergleichsweise jung: Er wurde in den 1950er-Jahren durch Max Währen und die Bäckereifachschule Richemont neu gestaltet und in der ganzen Schweiz populär gemacht.
Heute gehört dieser Kuchen für viele Menschen fest zum 6. Januar: Wer die Figur findet, darf für einen Tag „König“ oder „Königin“ sein – ein moderner Ausdruck eines sehr alten Brauchs.
Und zum Schluss möchte ich dir natürlich die Legende vom vierten König – in einer Zusammenfassung – nicht vorenthalten: Sie erzählt von Artaban, einem weisen Mann aus dem Osten. Er folgt einem Stern, um Jesus zu finden, und trägt kostbare Gaben bei sich: einen Rubin, einen Saphir und eine Perle. Auf seinem Weg begegnet er jedoch immer wieder Menschen in Not. Er hilft Kranken, Armen und Gefangenen und verschenkt dafür nach und nach seine Gaben.
So verpasst Artaban die Geburt Jesu in Bethlehem. Erst viele Jahre später kommt er nach Jerusalem und erlebt die Kreuzigung Jesu auf Golgotha. Dort erkennt er, dass er Jesus sein ganzes Leben lang gesucht hat – und ihm doch immer nahe war. Am Ende versteht Artaban:
Was er aus Liebe für andere Menschen getan hat, hat er für Christus selbst getan.
Die Legende macht deutlich, dass tätige Nächstenliebe die wahre Begegnung mit Jesus ist.
Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch:
Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
Matthäus 25,40
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